Ob Sachsenwald, North Stream 2 oder NSU-Akten: Am Anfang unserer Recherchen steht immer eine Hypothese: Können wir einen gesellschaftlichen Missstand aufdecken? Finden wir Dokumente, die Ungerechtigkeit beweisen? Lässt sich ein Verdacht, von dem wir durch einen vertraulichen Hinweis erfahren haben, erhärten?
Aus diesen Hypothesen werden oft aufwändige Recherchen – aber oft auch nicht. Rund die Hälfte unserer Themen werden am Ende nichts, zum Beispiel weil ein Vorwurf doch nicht aufrecht erhalten werden kann oder weil Dokumente gelöscht wurden. Manche Recherchen werden immer langwieriger, weil Behörden Antworten verzögern oder wir über mehrere Instanzen klagen müssen. Dann wird aus einer wochenlangen schon mal eine jahrelange Recherche.
35.000 Euro für eine Recherche
Investigative Recherchen sind also enorm aufwändig. Was heißt das konkret in Zahlen? Für unsere Recherche zu Werkstätten für Menschen mit Behinderung haben wir aufgeschlüsselt, wie viel Zeit wir investiert haben:
- 15 Monate lang hat Sabrina recherchiert, Presse- und IFG-Anfragen geschickt, Hintergrundgespräche geführt und Tabellen gebüffelt. Im Schnitt hat sie ein Drittel ihrer Arbeitszeit dafür aufgewandt. Das entspricht also Arbeitskosten in Höhe von 25.650 €
- Ins Redigat, Schlusslesen und Factchecking hat das Investigativ-Team eine Woche Arbeitszeit investiert. Das entspricht etwa 1.435 €.
- Das Kommunikations-Team hat ebenfalls eine Woche für Beiträge in Social Media, Pressemitteilungen und Illustrationen aufgewandt, also ebenfalls 1.435 Euro.
- Die Arbeit des Tech-Teams an der Recherche – Grafiken und Spezifierungen für die Veröffentlichung – haben eine weitere Woche gekostet, also rund 1.620 Euro.
- Weil wir eine Behörde im Zuge der Recherche verklagt haben, hatten wir Kosten für Klage und anwaltliche Begleitung in Höhe von 3.620 €.
- Für Gebühren von Anfragen haben wir bisher insgesamt 900 € ausgegeben.
Insgesamt kosten Recherchen wie diese also etwa 35.000 €. Lohnt sich das?
Koste es, was es wolle
Locker. Alleine aufgrund unserer Sachsenwald-Recherche hat der Staat in diesem Jahr ein Steuerschlupfloch geschlossen, das ihm in den kommenden Jahren Dutzende Millionen Euro zusätzliche Steuereinnahmen bringen wird.
Zahlreiche weitere Recherchen von uns haben politischen Wandel gebracht – sei es unsere Arbeit zur AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung, die zum Stiftungsfinanzierungsgesetz geführt hat und damit zur Nicht-Finanzierung der Stiftung. Oder auch unsere Veröffentlichungen zu EU-Abschiebeagentur Frontex, die zum Rücktritt ihres Chefs beigetragen haben.
Wir machen die investigativen Recherchen, die notwendig sind. Geschichten, die es braucht und die von anderen Medien nicht angefasst werden. Wir klagen, wenn es nötig ist und streiten auch jahrelang vor Gericht.
Das mag sich zwar finanziell für FragDenStaat nicht lohnen – all unsere Inhalte sind frei zugänglich und auch ohne eine Paywall zu finden. Aber dank eurer Unterstützung können wir weitermachen.
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